Deutsche Tageszeitung - Frankreich richtet wegen Flüchtlingskrise neue Unterkünfte ein

Frankreich richtet wegen Flüchtlingskrise neue Unterkünfte ein


Frankreich richtet wegen Flüchtlingskrise neue Unterkünfte ein
Frankreich richtet wegen Flüchtlingskrise neue Unterkünfte ein / Foto: ©

Wegen der Flüchtlingskrise in Calais will die französische Regierung zwei neue Aufnahmezentren in Nordfrankreich eröffnen. Die Flüchtlingsunterkünfte sollen binnen zehn Tagen bereitstehen und Platz für insgesamt 300 Bewohner bieten, wie Innenminister Gérard Collomb am gestrigen Montagabend (31.07.2017) in Paris ankündigte. Es sollten sich nicht "die schlechten Erfahrungen der Vergangenheit" wiederholen.

Textgröße ändern:

Die Behörden hatten im vergangenen Herbst in Calais ein riesiges Flüchtlingslager geräumt. Tausende Bewohner des berüchtigten "Dschungel von Calais" wurden in Flüchtlingsunterkünfte im ganzen Land gebracht. Allerdings sind inzwischen wieder zahlreiche Flüchtlinge in die Region am Ärmelkanal gekommen. Sie hoffen, heimlich nach Großbritannien zu gelangen, wo sie sich mehr Chancen auf ein besseres Leben ausrechnen.

Derzeit befänden sich "rund 350 bis 400" Flüchtlinge in Calais, sagte Colomb am Montag. Die neuen Aufnahmezentren sollten ihnen eine Unterkunft bieten und zugleich die behördlichen Prozeduren beschleunigen. Allerdings werden die Flüchtlingsunterkünfte in den Gemeinden Troisvaux und Bailleul eröffnet, die mehr als 80 Kilometer von Calais entfernt liegen. Die Flüchtlinge sollen von Calais aus dorthin gebracht werden.

Die Regierung befürchtet, dass in der Region neue wilde Flüchtlingscamps entstehen könnten. Frankreichs Oberstes Verwaltungsgericht bestätigte am Montag eine Anordnung eines Gerichts der nordfranzösischen Stadt Lille, welches die Behörden zur Einrichtung von Wasserstellen und Sanitäranlagen für die Flüchtlinge in Calais verpflichtet. Das Innenministerium ist strikt dagegen und argumentiert, solche Maßnahmen könnten die Bildung neuer Flüchtlingslager begünstigen.

Innenminister Collomb kündigte am gestrigen Montag auch eine Untersuchung zu Vorwürfen von Polizeigewalt im Umgang mit Flüchtlingen an. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte vergangene Woche in einem Bericht angeprangert, Polizisten würden sogar Pfefferspray gegen schlafende Flüchtlinge einsetzen.  (W.Novokshonov--DTZ)

Empfohlen

Tausende Demonstranten bei Kundgebungen gegen Trump in den USA und in Europa

Tausende Demonstranten haben am Samstag in mehreren US-Städten gegen Präsident Donald Trump und seine Politik protestiert. In der Hauptstadt Washington zogen tausende Menschen unter dem Motto "Finger weg!" zur in der Nähe des Weißen Hauses gelegenen Parkanlage National Mall, um ihren Unmut über den Republikaner und dessen Berater Elon Musk kundzutun. Es waren die größten Anti-Trump-Demonstrationen seit dessen Rückkehr ins Weiße Haus. Auch in mehreren europäischen Städten gab es Kundgebungen gegen Trump.

Hamas veröffentlicht Video von zwei israelischen Geiseln

Die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas hat am Samstag ein Video mit zwei israelischen Geiseln veröffentlicht. Die beiden Männer beschreiben darin, wie sie einen angeblichen israelischen Angriff überlebt haben. Das Forum der Geiselfamilien erklärte, bei einem von ihnen handele es sich nach Angaben seiner Familie um Maxim Herkin. Die zweite Geisel wurde in israelischen Medien als der israelische Soldat Bar Kuperstein identifiziert.

Französischer Premier kritisiert "Einmischung" nach Trump-Unterstützung für Le Pen

Der französische Premierminister François Bayrou hat die öffentliche Unterstützung von US-Präsident Donald Trump für die wegen der Veruntreuung von EU-Geldern verurteilte Rechtspopulistin Marine Le Pen kritisiert. Es handle sich um eine "Einmischung", sagte Bayrou in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit der französischen Tageszeitung "Le Parisien". Zugleich sei so etwas normal geworden: "Es gibt keine Grenzen mehr für die großen politischen Debatten."

Musk spricht sich für Freihandelszone zwischen Nordamerika und Europa aus

Kurz nach der Verhängung weltweiter Zölle durch die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat sich dessen Berater Elon Musk für die Schaffung einer Freihandelszone zwischen Nordamerika und Europa ausgesprochen. Aus seiner Sicht sollten die USA und Europa idealerweise zu einer "Null-Zoll-Situation übergehen, um so eine Freihandelszone zwischen Europa und Nordamerika zu schaffen", sagte der US-Technologieunternehmer am Samstag in einer Videobotschaft beim Parteitag der rechtspopulistischen italienischen Lega in Florenz.

Textgröße ändern: